Auf Geburtstagen ist immer wieder zu hören, dass Gesundheit die Hauptsache im Leben sei. Das lässt man sich heute auch viel kosten. Freilich, Gesundheit ist wichtig, ein hohes Gut, aber sie ist nicht das „höchste“ Gut. Humorvolle und doch nachdenkliche Anmerkungen macht dazu der katholische Theologe, Arzt und Leiter einer psychiatrischen Klinik in Köln, Dr. Manfred Lütz.
Doch wann ist ein Mensch überhaupt gesund? Hat nicht jeder mit irgendwelchen körperlichen oder seelischen Problemen zu tun? Die Weltgesundheitsorganisation hat 1946 definiert, Gesundheit sei „ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“. Wenn wir dem glauben sollen, dann heißt das, es gibt praktisch keinen gesunden Menschen auf dieser Erde. Aber diese Behörde meinte es unerschütterlich fortschrittsgläubig wahrscheinlich sogar ernst.
Soll ich im Leide verzweifeln, soll ich Gott anklagen, von dem ich meine, er hätte die Welt so eingerichtet? Soll ich von früh bis spät traurig und missmutig sein? Natürlich darf ich klagen. Wenn es nicht nur um des Klagens willen geschieht, sondern um Erleichterung und eine Lösung zu finden, ist es gut. So wie in der Passionszeit, in der wir uns an das Leid erinnern, das Jesus ertragen musste. Es ist gleichsam ein Bild für leidende, geschundene Menschen heutzutage.
Diese Erinnerung ruft zum Einsatz gegen rohe Gewalt, gegen Missachtung von Menschenrechten und natürlich auch gegen Krankheiten auf.
Doch nach den Klagen kommt Ostern: Jesus lebt, auch in der Gemeinschaft von Menschen, die sich beistehen und ihre Not gemeinsam tragen. In solch einer Gemeinschaft können wir auch erkennen, dass das „höchste Gut“ nicht eine utopische Vorstellung von Gesundheit ist, sondern liebevolle Hilfe, Beistand, Unterstützung, Barmherzigkeit.
Gesundheit ist wichtig. Die Hauptsache aber ist, dass wir fröhliche Menschen sind, die – wenn es nicht anders geht – mit ihren Gebrechen leben und sich dabei gegenseitig unterstützen.
