Glauben

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Andacht

Allen Geschöpfen?, …
Gedanken zum Monatsspruch April

Den Tieren soll er gepredigt haben, Franz von Assisi, genauso wie den Pflanzen. Die Vögel nannte er „Geschwister“ und mit „Schwester Sonne“ und „Bruder Wind“ stand er auf per Du.
Mir persönlich fällt es schwer, das zu glauben – zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass die Geschöpfe wirklich verstanden haben, was Franziskus ihnen predigte. Und ich bin mit meinen Zweifeln sichern nicht allein, mögen diese Geschichten auch noch so anrührend und romantisch daherkommen.
Lese ich allerdings den Monatsspruch für April, so werde ich doch nachdenklich. Dort heißt es nämlich:

Jesus Christus spricht: Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!
(Mk 16,15)

Evangelium predigen – klar, warum nicht. Das mache ich gerne. Deshalb bin ich Pfarrer geworden. Aber gleich allen Geschöpfen? Den Tieren wie den Pflanzen? Den Flüssen und Bergen, Seen und Felsen? Was soll das für einen Sinn haben und wie soll das gehen?
Wenn ich mich versuchsweise vor mein Aquarium stelle und meinen Fischen er-kläre: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeboren Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, gerettet werden“, so ist vom Erfolg dieser Übung rein äußerlich nichts zu spüren. Die Fische schwimmen weiter wie bisher und zanken sich um ihr Revier und das Futter.
Es müsste also andere Wege geben, nimmt man den Monatsspruch ernst.
Vielleicht ist es ja schon ein richtiger Schritt, überhaupt mit Tieren und Pflanzen zu sprechen, sie nicht nur als auszubeutende Objekte, sondern als Gegenüber wahr zu nehmen, sich auf sie einzulassen. Zu begreifen, dass Gott diese wunderschöne Welt nicht nur uns Menschen geschenkt hat. Das hätte dann wohl zur Folge, dass sich nicht nur meine Sichtweise ändert, sondern dass ich auch anfange anders mit der Schöpfung, mit Pflanzen und Tieren umzugehen. Und vielleicht gelingt es dann ja wirklich, etwas vom Evangelium, von der „guten Nachricht“, dass Gott die Welt liebt, zu verkündigen.
Mit dem Monatsspruch gewinnt das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ jedenfalls eine tiefe theologische Dimen-sion. Der Theologe Albert Schweizer fällt mir ein. Sein Motto der „Ehrfurcht vor dem Leben“ und seine Erkenntnis, selbst doch „nur Leben inmitten von Leben, das leben will”, zu sein, regen zum Nachdenken an, wie allen Geschöpfen das Evangelium gepredigt werden kann. Und vielleicht versuche ich es ja doch noch einmal mit den Fischen im Aquarium. Bei ihnen wird sich sicher nicht viel ändern, aber bei mir allerhand.

Ihr Pfr. Dr. Torsten Reiprich

Foto: T. Reiprich 

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