Fragen und Antworten zum christlichen Glaubensleben
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Andacht
Ihr Kinderlein kommet
Gedanken zur Einführung des Kinderabendmahls
„Ihr Kinderlein, kommet, o kommet doch all …“, so wird es auch in dieser Weihnachtszeit zu hören sein. Doch was als romantisches Kinderlied daher kommt, zielt auf ein zentrales Anliegen Jesu. Immer wieder ist in der Bibel zu lesen, dass Jesus den Kindern besondere Aufmerksamkeit zukommen lässt. Das war in seiner Zeit außergewöhnlich, standen die Kinder in der Antike rechtlich doch kaum höher als Sklaven. Und so war es wohl eher Normalität, als die Jünger versuchten, die Kinder von ihrem Meister fern zuhalten. Jesus aber sagte: Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht… wer das Reich Gottes nicht empfängt, wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.
Was haben Kinder, was wir Großen nicht mehr haben? Ist es ihre Offenheit? Ihre Fähigkeit, sich unvoreingenommen beschenken zu lassen? Ihr einfacher Glaube? Zumindest setzt Jesus für den Weg Gottes mit uns Menschen nicht voraus, dass wir z.B. das Glaubensbekenntnis richtig sprechen und geistig durchdringen können.
Ich bin manchmal erstaunt, was Kinder über Gott, über Jesus oder über ihren Glauben zu erzählen haben. Kleinen Theologen begegne ich da. Überraschende Aussagen werden gefällt. Einfach und klar. Und ich erhalte eine Vorstellung, was Jesus an den Kindern mag und welche Bedeutung diese Liedzeile eigentlich hat: „Ihr Kinderlein, kommet…“
Unsere Kirche hat sich in dieser Frage über Jahrhunderte hin von Jesus entfernt. Vom Abendmahl wurden die Kinder seit 1215 ausgegrenzt. Die Scheu vor der Heiligkeit des Sakraments war dafür verantwortlich, auch ein Bibelvers: “Wer nun unwürdig von dem Brot isst oder aus dem Kelch des Herrn trinkt, der wird schuldig am Leib und Blut des Herrn.” Dabei wurde übersehen, was der Bibelvers mit „unwürdig“ meint: Spaltungen in der Gemeinde, Grüppchenbildungen, die andere Christen ausschließen.
Doch genau das wurde durch die Ausgrenzung der Kinder ja vollzogen! Nicht die Taufe, sondern erst die Konfirmation erklärte sie so zu vollwertigen Christen. So nahm die Kirche die Position der Jünger ein, die versuchten, die Kinder von Jesus fern zu halten.
Ich freue mich sehr darüber, dass wir ab dem 1. Advent in unserem Kirchspiel das Abendmahl gemeinsam mit unse-ren getauften Kindern feiern können. Die Kinder werden in der Christenlehre von Frau Scholz auf die Bedeutung die-ses Sakraments vorbereitet und dürfen danach am Abendmahl teilnehmen. Dafür wird zusätzlich zum Wein auch ein Kelch mit Traubensaft bereit stehen. Für Ihre weiteren Fragen stehe ich Ihnen gern zur Verfügung.
Ihr Pfr. Dr. Torsten Reiprich
Foto: T. Reiprich

