Nach Gründung des Klosters Pegau durch Wiprecht von Groitzsch blühte die Stadt auf. Mit Anlage der Oberstadt wurde vor 1190 auch die Laurentiuskirche errichtet. 1382 fiel die Stadt und mit ihr auch die Laurentiuskirche und die Kirche St. Otto in der Unterstadt einem Stadtbrand zum Opfer.Von der ehemaligen romanischen Kirche überstanden nur Teile des Westwerkes den Brand und wurden in den Neubau einbezogen. Kriege und Pestepidemien verzögerten den Baufortschritt, so dass der Wiederaufbau über achtzig Jahre dauerte. Am Vorabend des Jakobstages, am 24. Juli 1463, wurde der Bau geweiht. Es entstand die spätgotische dreischiffige Hallenkirche mit kunstvollen Deckengewölben, reich verzierten Fenstern, einem lichtdurchfluteten Chor und prächtiger Ausmalung, wovon ein Fresko an der Nordwand des Chores mit Szenen aus dem Leben Jesu, eine Darstellung des Schweißtuches der Veronika über dem Triumphbogen des Mittelschiffes und die Ausmalung des Gewölbes als Paradieswiese erhalten sind. Das mit einer Kreuzblume bekrönte Sakramentshäuschen (Tabernakel), das der Aufbewahrung der gewandelten Hostien diente, ist eine Arbeit der Rochlitzer Bauhütte. Aus der gleichen Zeit stammt das Chorgestühl. Der die Silhouette der Stadt prägende Kirchenbau hatte ein hohes Satteldach mit Dachreiter und die beiden Westtürme trugen Spitzdächer.
Am Anfang des 17. Jahrhunderts ließ die Pegauer Gemeinde eine neue Kanzel und einen neuen Altar anfertigen, die der neuen Weise zu glauben Ausdruck verleihen und das Evangelium bildhaft darstellen sollten. Die Kanzel war 1616 fertig. Sie wird von Statuen geschmückt, die die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes darstellen, zwischen ihnen Christus und außen St. Laurentius, den Schutzpatron der Kirche. Der Schalldeckel wird von der Figur Christi mit der Siegesfahne in der Hand bekrönt.
Der neue Hochaltar, ein Werk des Malers Jacob Wendelmuth und des Bildhauers Jacob Meinhardt, wurde 1621 geweiht. Die Altarbilder zeigen das Heilige Abendmahl, die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi, seitlich die Figuren von Mose und dem Apostel Paulus, König David und Johannes dem Täufer. Figuren und Malereien stellen Altes und Neues Testament, Gesetz und Evangelium gegenüber. Außergewöhnlich ist das Hauptbild des Altars. Es zeigt wie Gott, Jesus und Adam sich die Hände reichend einen Kreis bilden. In dessen Mitte schwebt die Taube des Heiligen Geistes. Dem Thema des Werkes entsprechend werden einerseite Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies, andererseits Werke der Barmherzigkeit gezeigt. Die Spitze des Hochaltars trägt eine Statue Jesu als Weltenrichter.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Pegauer Kirche 1644 teilweise zerstört. Dachstuhl und Türme brannten aus, die Glocken zersprangen. Nachdem der Bau nach dem Krieg zunächst nur provisorisch mit Stroh gedeckt werden konnte, erhielt er 1660 ein neues hohes Ziegeldach. Auf die Türme wurden barocke Hauben mit Laternen aufgesetzt. Zwei der neuen Glocken, die damals angeschafft wurden, läuten noch heute und rufen die Einwohner zum Gebet und Gottesdienst.
Die Orgel ist ein Werk des Bornaer Orgelbauers Urban Kreutzbach von 1851. Das Instrument wurde im Hauptwerk mit 15, im Oberwerk mit elf und im Pedal mit neun Registern aufgeführt. Der Orgelprospekt stammt aus der Zeit der letzten großen Renovierung im Jahre 1934.
Die Außenseite des Kirchenschiffes schmücken vier Statuen am Südportal. Sie wurden 1897 angebracht und zeigen den Klostergründer Graf Wiprecht, Heinrich den Frommen, der die Reformation in Sachsen einführte, den Reformator Martin Luther und den Heiligen Bonifatius, durch den das Christentum in unser Land kam.
In einem Gewölbe des Turmes befindet sich das Stiftergrabmal des Grafen Wiprecht von Groitzsch (*ca. 1050 +22.5.1124), eine der wichtigsten romanischen Skulpturen im sächsischen Kunstraum. Das Werk für den Stifter des Pegauer Klosters wurde um 1230, etwa hundert Jahre nach dessen Tod wahrscheinlich im Auftrag des Abtes Siegfried von Reckkin von einem unbekannten Künstler geschaffen. Da sich nach so langer Zeit keiner an das Aussehen des Grafen erinnern konnte, wurde Wiprecht in idealisierter Gestalt dargestellt. Das Grabmal zeigt eine Stilverwandschaft zu Werken im Freiberger Dom. Ursprünglich befand es sich in der Klosterkirche. Die Mönche hielten dem Wunsch des Stifters entsprchend für ihn und seine Familie Fürbitte. 1556 ließ der Stadtrat das Kunstwerk aus der verfallenden Klosterkirche bergen und in die Stadtkirche bringen. Bei der Plünderung der Stadt im Dreißigjährigen Krieg durch Tilly am 23. August 1631 wurde es wahrscheinlich kostbarer Edelsteine beraubt, die Gewand und Schild geschmückt hatten. 1869 wurde das Werk restauriert.
In der Laurentiuskirche feiert die Gemeinde in der Regel jeden Sonntag 10.15 Uhr Gottesdienst, aller vierzehn Tage mit Abendmahl. Vom 1. Sonntag nach Epiphanias bis zum Palmsonntag ist Gottesdienst im Gemeindesaal des Lutherhauses (Grünes Tal 3).
Literaturhinweise
Eine Abhandlung über den Altar ist erschienen in:
Koch, Ernst: Der Spiegel der Rechtfertigung. Zum theologischen Hintergrund des Hauptbildes des Altars der Stadtkirche zu Pegau, in: Wartenberg, Günther (Hg): Herbergen der Christenheit. Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte, Bd. 23, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig 1999
Verschiedene Beiträge über Wiprecht von Groitzsch sind gesammelt in:
Wiprecht. Beiträge zur Geschichte des Osterlandes im Hochmittelalter, Sax-Verlag Beucha 1998
Wiprecht von Groitzsch im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon

31. Juli 2009 um 9:29 |
Eine wirklich beeindruckende Seite, die Lust auf einen Besuch macht!
Beste Wünsche aus Berlin und bis bald einmal!
19. August 2009 um 16:07 |
Vielen Dank! Berlin ist nicht weit entfernt und das erste Septemberwochenende bietet sich an: Da lockt das Altstadtfest mit zahlreichen mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Attraktionen! Infos werden bald unter http://www.pegau.de bereitstehen.